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Der Umgang mit Gewalt

Aletha Solter, Ph.D.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus Aletha Solters Buch, Auch kleine Kinder haben großen Kummer (Kösel Verlag)

In English: What causes violence?

en français: L'origine de la violence


Original copyright © 1998 by Aletha Solter. Für die deutsche Übersetzung: Copyright © 2000 von Kösel Verlag.

Wir machen uns heute sehr viele Sorgen um all die Gewalt in der Welt. Was sind die Ursachen für Gewalt? Warum schlagen oder beißen manche Kinder? und wie werden süße kleine Babys zu bewaffneten Bandenmitgliedern, vielleicht sogar Mördern und Terroristen?

Es gibt zwei grundlegenden Umstände, die bei Menschen zu gewalttätigen Tendenzen führen. Einer ist, dass der Mensch verletzt wurde. Ein Kind, dem der Hintern versohlt, das geschlagen, herumgestoßen oder mit Gewalt bedroht wurde, läuft Gefahr, selbst gewalttätig zu werden. Sexueller Missbrauch und emotionale Vernachlässigung sind weitere Verletzungen, die zur Gewaltneigung führen können. Die Ansammlung von vielen kleineren Verletzungen (Stress) kann ebenfalls gewalttätiges Verhalten nach sich ziehen. Die Ängste, Enttäuschungen und Frustrationen der Kindheit können sich häufen und ein Kind dazu bringen, zu schlagen oder zu beißen.

Der zweite wesentliche Grund ist nicht so schnell ersichtlich. Dem Menschen wurde nicht erlaubt, sich von den Emotionen zu entlasten, die auf Verletzungen beruhen. Er trägt Gefühle zu seinen Erlebnissen mit sich herum, die sich nicht lösen konnten und nicht zum Ausdruck gebracht wurden. Nur dann hat er die Tendenz, anderen Menschen gegenüber gewalttätig zu werden. Die Erfahrung, Opfer von Gewalt oder anderen schmerzlichen Erfahrungen zu sein, erzeugt nur dann Gewalt in Kindern, wenn ihre Emotionen blockiert und unterdrückt wurden. Wenn das der Fall ist, ist Gewalt gegen die eigene Person oder gegenüber anderen eine fast unvermeidliche Folge. Gewalt ist ein fehlgeleiteter Ausdruck der Wut oder des Entsetzens einer Person in einer Umgebung, in der die Sicherheit fehlt, starke Gefühle zeigen oder sich von ihnen entlasten zu können.

Zu diesen beiden grundlegenden Bedingungen kommt die Tatsache hinzu, dass Gewalt in den meisten Industrieländern toleriert, wenn nicht gar verherrlicht wird und gesellschaftlich als angemessenes männliches Verhalten gilt. Kinder kommen mit Sportarten, Fernsehsendungen, Filmen und elektronischen Spielen in Berührung, in denen zumeist männliche Hauptfiguren Gewalt ausüben. Kleinen Jungen gibt man Spielzeugsoldaten, Gewehre und anderes Kriegsspielzeug in die Hand. In Büchern und Schultexten wird der Krieg oft als überwiegend männliche Aktivität gerühmt und männliche Eroberer werden als großartige Helden dargestellt. Viele Eltern loben ihre Söhne, wenn diese sich gegen Spielplatztyrannen selbst verteidigen und kämpfen. Sie machen sich Sorgen um Jungen, die sich weigern, kämpfend zu reagieren. Kommt dann noch die Tatsache hinzu, dass wir von Jungen erwarten, sich abgebrüht zu verhalten und nicht zu weinen, überrascht es nicht, dass Männer mehr gewalttätige Verbrechen begehen als Frauen.

Wenn wir bewusst eine Kultur planen würden, die das Ziel hat, gewalttätige Menschen hervorzubringen, dann würde diese genauso so aussehen wie die Gesellschaft, in der die meisten Jungen heute aufwachsen.

Um Gewalt vorzubeugen, müssten wir als Erstes aufhören, Gewalt gegen Kinder zu verüben. Das heißt, keine Prügel oder Schläge. Außerdem müssten wir Kinder vor gewalttätigen Szenen im Fernsehen oder in Videofilmen schützen. Wir müssten Jungen neue Botschaften über Gewalt vermitteln und von ihnen das gleiche gewaltlose Verhalten erwarten wie von Mädchen.

Außerdem müssen wir Jungen und Mädchen erlauben, zu weinen und zu wüten. Sonst hegen sie unbewältigten Ärger, Groll, Frustration und Angst, die sie als Gewalt gegen andere oder sich selbst ausagieren könnten. Weinen kann aggressive Energien sehr wirkungsvoll auflösen. Viel von dem emotionalen Schmerz der Kindheit ist unvermeidlicher Bestandteil des Wachsens und Lernens. Selbst bei den liebevollsten Eltern und Lehrern werden Kinder verletzt und erleben Stress. Deswegen ist es von entscheidender Bedeutung, den natürlichen Heilungsmechanismus des Weinens und Wütens zuzulassen.

Zusammenfassend können wir über den Umgang mit Gewalt sagen, dass Kinder, die Gewalt ausüben, immer an schmerzlichen Gefühlen leiden. Es gibt wirkungsvolle Wege, gewalttätiges Verhalten ohne Strafen zu unterbinden und dabei dem Kind zu helfen, die unterschwelligen Gefühle loszulassen. Es ist wichtig zu wissen, dass Kinder unsere Liebe und Aufmerksamkeit am meisten dann brauchen, wenn sie es durch ihr Verhalten scheinbar am wenigsten verdienen.


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Aware Parenting (Bewusstes Elternsein) ist eine Erziehungsphilosophie, die auf wissenschaftlichen Forschungen im Bereich der kindlichen Entwicklung basiert. Sie stellt traditionelle Ansichten in Frage und bietet einen neuen Ansatz, der die Beziehungen innerhalb der Familie signifikant verbessert. Eltern, die sich an diesen Leitlinien orientieren, erziehen Kinder, die kooperativ, einfühlsam, kompetent, gewalt- und drogenfrei sind. Diese Philosophie ist in den Büchern von Dr. Aletha Solter beschrieben.

Warum Babys weinen Helping Young Children Flourish in German Tears and Tantrums in German Attachment Play in German

Warum Babys weinen

Wuten, toben, traurig sein (dieses Buch ist vergriffen)

Auch kleine Kinder haben grossen Kummer

Spielen schafft Nähe - Nähe löst Konflikte

Bewußtes Elternsein in Austria
Bewußtes Elternsein in Deutschland
Bewußtes Elternsein in der Schweiz

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Grundregeln des Bewußten Elternseins
Was tun, wenn dein Baby weint?
Sind Kinder ihrer Natur nach schlecht?

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This page was last updated on February 9, 2015. Copyright © 1998 to 2015 by Aletha Solter. German translation copyright © 2000 von Kösel Verlag. All rights reserved. No part of this article may be reproduced or transmitted in any form or by any means, electronic or mechanical (including copying to other web sites, and including translations), without written permission from Aletha Solter and from Kösel Verlag.

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