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Dieser Artikel ist ein Auszug aus Aletha Solters Buch, Auch kleine Kinder haben großen Kummer (Kösel Verlag)
Für mehr Information zu diesem Thema, siehe Dr. Solters Bücher, Warum Babys weinen (Kösel Verlag und Deutscher Taschenbuch Verlag) Wüten, toben, traurig sein (Kösel Verlag), und Auch kleine Kinder haben grossen Kummer (Kösel Verlag).
Es gibt zwei grundlegenden Umstände, die bei Menschen zu gewalttätigen Tendenzen führen. Einer ist, dass der Mensch verletzt wurde. Ein Kind, dem der Hintern versohlt, das geschlagen, herumgestoßen oder mit Gewalt bedroht wurde, läuft Gefahr, selbst gewalttätig zu werden. Sexueller Missbrauch und emotionale Vernachlässigung sind weitere Verletzungen, die zur Gewaltneigung führen können. Die Ansammlung von vielen kleineren Verletzungen (Stress) kann ebenfalls gewalttätiges Verhalten nach sich ziehen. Die Ängste, Enttäuschungen und Frustrationen der Kindheit können sich häufen und ein Kind dazu bringen, zu schlagen oder zu beißen.
Der zweite wesentliche Grund ist nicht so schnell ersichtlich. Dem Menschen wurde nicht erlaubt, sich von den Emotionen zu entlasten, die auf Verletzungen beruhen. Er trägt Gefühle zu seinen Erlebnissen mit sich herum, die sich nicht lösen konnten und nicht zum Ausdruck gebracht wurden. Nur dann hat er die Tendenz, anderen Menschen gegenüber gewalttätig zu werden. Die Erfahrung, Opfer von Gewalt oder anderen schmerzlichen Erfahrungen zu sein, erzeugt nur dann Gewalt in Kindern, wenn ihre Emotionen blockiert und unterdrückt wurden. Wenn das der Fall ist, ist Gewalt gegen die eigene Person oder gegenüber anderen eine fast unvermeidliche Folge. Gewalt ist ein fehlgeleiteter Ausdruck der Wut oder des Entsetzens einer Person in einer Umgebung, in der die Sicherheit fehlt, starke Gefühle zeigen oder sich von ihnen entlasten zu können.
Zu diesen beiden grundlegenden Bedingungen kommt die Tatsache hinzu, dass Gewalt in den meisten Industrieländern toleriert, wenn nicht gar verherrlicht wird und gesellschaftlich als angemessenes männliches Verhalten gilt. Kinder kommen mit Sportarten, Fernsehsendungen, Filmen und elektronischen Spielen in Berührung, in denen zumeist männliche Hauptfiguren Gewalt ausüben. Kleinen Jungen gibt man Spielzeugsoldaten, Gewehre und anderes Kriegsspielzeug in die Hand. In Büchern und Schultexten wird der Krieg oft als überwiegend männliche Aktivität gerühmt und männliche Eroberer werden als großartige Helden dargestellt. Viele Eltern loben ihre Söhne, wenn diese sich gegen Spielplatztyrannen selbst verteidigen und kämpfen. Sie machen sich Sorgen um Jungen, die sich weigern, kämpfend zu reagieren. Kommt dann noch die Tatsache hinzu, dass wir von Jungen erwarten, sich abgebrüht zu verhalten und nicht zu weinen, überrascht es nicht, dass Männer mehr gewalttätige Verbrechen begehen als Frauen.
Wenn wir bewusst eine Kultur planen würden, die das Ziel hat, gewalttätige Menschen hervorzubringen, dann würde diese genauso so aussehen wie die Gesellschaft, in der die meisten Jungen heute aufwachsen.
Um Gewalt vorzubeugen, müssten wir als Erstes aufhören, Gewalt gegen Kinder zu verüben. Das heißt, keine Prügel oder Schläge. Außerdem müssten wir Kinder vor gewalttätigen Szenen im Fernsehen oder in Videofilmen schützen. Wir müssten Jungen neue Botschaften über Gewalt vermitteln und von ihnen das gleiche gewaltlose Verhalten erwarten wie von Mädchen.
Außerdem müssen wir Jungen und Mädchen erlauben, zu weinen und zu wüten. Sonst hegen sie unbewältigten Ärger, Groll, Frustration und Angst, die sie als Gewalt gegen andere oder sich selbst ausagieren könnten. Weinen kann aggressive Energien sehr wirkungsvoll auflösen. Viel von dem emotionalen Schmerz der Kindheit ist unvermeidlicher Bestandteil des Wachsens und Lernens. Selbst bei den liebevollsten Eltern und Lehrern werden Kinder verletzt und erleben Stress. Deswegen ist es von entscheidender Bedeutung, den natürlichen Heilungsmechanismus des Weinens und Wütens zuzulassen.
Zusammenfassend können wir über den Umgang mit Gewalt sagen, dass Kinder, die Gewalt ausüben, immer an schmerzlichen Gefühlen leiden. Es gibt wirkungsvolle Wege, gewalttätiges Verhalten ohne Strafen zu unterbinden und dabei dem Kind zu helfen, die unterschwelligen Gefühle loszulassen. Es ist wichtig zu wissen, dass Kinder unsere Liebe und Aufmerksamkeit am meisten dann brauchen, wenn sie es durch ihr Verhalten scheinbar am wenigsten verdienen.
Copyright © 1998 by Aletha Solter
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Grundregeln des Bewusst-Elternseins
This page was created on February 26, 2003 and last updated on April 14, 2009.
Wir machen uns heute sehr viele Sorgen um all die Gewalt in der Welt. Was sind die Ursachen für Gewalt? Warum schlagen oder beißen manche Kinder? Und wie werden süße kleine Babys zu bewaffneten Bandenmitgliedern, vielleicht sogar Mördern und Terroristen?
Für die deutsche Übersetzung: Copyright © 2000 by Kösel Verlag
Was tun, wenn dein Baby weint?
Sind Kinder ihrer Natur nach schlecht??