The Aware
Parenting Institute
www.awareparenting.com

Transforming families around the world

P.O. Box 206, Goleta, CA 93116, U.S.A.
(805) 968-1868 (phone and fax)
e-mail: info@awareparenting.com

Home Dr. Solter Principles Books Workshops
Consultations Instructors Articles Links Comment

Was tun, wenn dein Baby weint

von Aletha Solter, Ph.D.

Original English version (What to do when your baby cries?)
French version (Que faire quand votre bébé pleure?)
Spanish version (¿Qué hacer cuando un bebé llora?)

German translation by Monika Lintner-Lehki & Susanne Pestel

Copyright © 1996 by Aletha Solter. All rights reserved. No part of this article may be reproduced or transmitted in any form or by any means, electronic or mechanical (including copying to other web sites, and including translations), without written permission from Aletha Solter.

Anmerkung: Der Ratschlag in diesem Artikel sollte nicht als Ersatz für eine medizinische Meinung und Behandlung gesehen werden. Wenn Krankheit oder physischer Schmerz verdächtig sind, immer den Arzt aufsuchen.

Ein weinendes Baby veranlasst viele Eltern zu grosser Beunruhigung. Wenn dein Baby weint und du nicht weisst warum, können Gefühle der Angst, Hilflosigkeit, Frustration, Unfähigkeit und sogar Zorn und Feindseligkeit aufkommen. Es gibt viele Ratschläge über weinende Babys, aber die meisten von ihnen vernachlässigen es, die wirklichen Gründe für das Weinen zu erklären, und sie bieten Vorschläge an, welche der emotionalen Entwicklung deines Babys schaden.

Es gibt zwei Gründe, warum Babys weinen. Ein Grund ist, ein Bedürfnis oder Unbehagen mitzuteilen. Vielleicht sind sie hungrig, gelangweilt, ihnen ist kalt, oder sie wollen einfach nur gehalten werden. Manchmal ist es schwer herauszufinden, was sie brauchen. Die Aufgabe der Eltern und Betreuer ist es zu versuchen, die Bedürfnisse des Babys so schnell und sorgfältig wie möglich zu erfüllen. Babys können nicht "verwöhnt" werden. Es ist unmöglich, ihnen zu viel Liebe, Aufmerksamkeit und körperlichen Kontakt zu geben.

Der zweite Grund des Weinens im Säuglingsalter wird viel weniger verstanden. Viele Babys weinen, obwohl alle Grundbedürfnisse erfüllt wurden und sogar während sie gehalten werden. Diese Art des Weinens, welches im Alter von sechs Wochen am intensivsten vorkommt, wird als "Kolik" oder "gereiztes Weinen" bezeichnet. Es kann einige Stunden am Tag dauern. Die üblichen Erklärungen für dieses Weinen haben sich auf mögliche körperliche Probleme wie Blähungen oder Verdauungsstörungen konzentriert. Jedoch haben Untersuchungen gezeigt, dass Babys mit "Kolik" meist eine normale Verdauung haben und sich gewöhnlich bester Gesundheit erfreuen. Daher ist es notwendig, die möglichen emotionale Gründe des Weinens zu berücksichtigen.

Säuglinge sind extrem verwundbar, und sie haben sehr grossen emotionalen Schmerz, der sich aus einer Ansammlung von stressigen Erlebnissen ergibt. Schmerz kann durch eine traumatische Geburt oder Schwierigkeiten nach der Geburt verursacht werden. Babys erfahren Verwirrung, während sie versuchen, die Welt zu verstehen, und sie sind schnell eingeschüchtert und überreizt. Ausserdem fühlen sie sich frustriert, wenn sie versuchen, sich mitzuteilen und neue Fertigkeiten zu erlernen. All dies hat den emotionalen Schmerz, der im Körper gesammelt wird, zur Folge.

Glücklicherweise werden Babys mit einem Reparaturwerkzeug ausgestattet und können die Stressauswirkungen durch den natürlichen Heilmechanismus des Weinens überwältigen. Die Forschung hat gezeigt, dass Leute jeder Altersgruppe aus dem Weinen Nutzen ziehen und dass Tränen helfen bei Stress, das chemische Gleichgewicht des Körpers wiederherzustellen. Ein Säugling, der einige Tage in einem Inkubator ohne menschlichen Kontakt isoliert wurde, muss mehrere Monate lang viele Stunden weinen und wüten, um sich vom emotionalen Schmerz, der durch ein so schreckliches und verwirrendes Erlebnis verursacht wurde, zu befreien. Wenn ein drei Monate alter Säugling bei einem Familientreffen unter vielen unbekannten Leuten herumgereicht wurde, kann dies zur Folge haben, dass er nachher sehr lange weinen muss. Ein sechs Monate alter Säugling, der den ganzen Tag versucht hat, vorwärts zu kriechen, und es doch nur rückwärts schaffte, braucht wahrscheinlich am Ende des Tages, um seine Frustrationen abzubauen, das Weinen und Wüten, bevor er friedlich in den Schlaf sinken kann. Bei diesen Beispielen ist das Weinen keine Verletzung; sondern es ist der Prozess der Heilung.

Was können Eltern tun? Zuerst ist es wichtig zu überprüfen, ob unmittelbare Bedürfnisse und Unbehagen wie zum Beispiel Hunger oder Kälte vorliegen. Aber wenn das Baby, nachdem du seine Grundbedürfnisse erfüllt hast, noch immer unruhig ist, ist es angemessen, das Baby einfach liebevoll zu halten und ihm das Weiterweinen zu erlauben. Babys brauchen Nähe und Aufmerksamkeit, wenn sie weinen. Ein Baby sollte nie beim Weinen alleingelassen werden. Selbst wenn du dich beim Halten deines weinenden Babys nutzlos fühlst, versorgst du in Wirklichkeit dein Baby mit der nötigen emotionalen Unterstützung, während es sich auf diesem Weg von seinem Stress entlastet. Dein Baby lehnt dich nicht ab, wenn es weint. Es fühlt sich vielmehr sicher genug, dir seine Gefühle zu zeigen, genauso wie wenn du in Tränen ausbrichst, wenn ein vertrauter Freund seinen Arm um dich legt und du zugibst, dass du einen schweren Tag hattest. Eltern, die ihre Babys halten und ihnen erlauben, sich auf diesem Weg auszudrücken, bemerken gewöhnlich, dass ihre Babys nach dem Weinanfall entspannt und zufrieden sind und in der Nacht besser schlafen.

Warum ist es so schwierig, ein weinendes Baby zu halten und das Weinen zu akzeptieren? Vielleicht weil nur wenige Menschen nach Bedarf weinen durften, als sie klein waren. Deine Eltern haben vielleicht versucht, dich vom Weinen abzuhalten, als du ein Baby warst. Vielleicht gaben sie dir einen Schnuller oder fütterten, schaukelten dich oder haben dich jedesmal, wenn du weintest, gewiegt, in der Annahme, dass du diese Ablenkungen in diesem Moment brauchtest. Vielleicht versuchten sie, dich mit Spielzeug, Musik oder Spielen abzulenken, obwohl du eigentlich nur ihre ungeteilte Aufmerksamkeit und Liebe gebraucht hättest, damit du dein Weinen fortsetzen konntest. Sie haben vielleicht vom Doktor Beruhigungsmittel verlangt, um dich zu besänftigen, oder sie haben dich beim Weinen alleingelassen, weil sie dachten, dass sie jetzt nichts für dich tun könnten. Vielleicht haben sie dich sogar geschlagen oder angeschrien vor lauter Frustration und Verzweiflung. Als du älter wurdest, hast du vielleicht mehr Ablenkungen oder Strafe von deinen Eltern oder Lehrern erfahren, weil sie sich ärgerten über deine Versuche, dich von deinen Gefühlen durch das Weinen zu entlasten.

Deine Eltern dürfen nicht getadelt werden, denn sie hatten einfach keine Information über die Wichtigkeit des Weinens. Jedoch wegen der Prägung in deiner Kindheit findest du es vielleicht schwer, die Notwendigkeit des Weinens bei deinen eigenen Kindern zu erkennen. Du fühlst dich vielleicht unbewusst gedrängt, deine Kinder auf dem gleichen Weg wie deine Eltern vom Weinen abzuhalten. Es braucht Zeit, um ein Leben der Einprägung rückgängig zu machen. Vielleicht solltest du deinen eigenen Tränen einmal freien Lauf lassen. Das wäre mein Rat. Wenn du jemanden findest, der dir zuhört, um so besser. Du wirst dich nachher viel besser fühlen, und du wirst das Weinen deines Babys vielleicht ein bisschen akzeptabler finden. Wenn du fühlst, dass du frustriert und erschöpft wirst, weil dein Baby viel weint, verdienst du jede Hilfe und Unterstützung, die du finden kannst.


line

Aware Parenting (Bewusstes Elternsein) ist eine Erziehungsphilosophie, die auf wissenschaftlichen Forschungen im Bereich der kindlichen Entwicklung basiert. Sie stellt traditionelle Ansichten in Frage und bietet einen neuen Ansatz, der die Beziehungen innerhalb der Familie signifikant verbessert. Eltern, die sich an diesen Leitlinien orientieren, erziehen Kinder, die kooperativ, einfühlsam, kompetent, gewalt- und drogenfrei sind. Diese Philosophie ist in den Büchern von Dr. Aletha Solter beschrieben.

Warum Babys weinen Helping Young Children Flourish in German Tears and Tantrums in German Attachment Play in German

Warum Babys weinen

Wuten, toben, traurig sein (dieses Buch ist vergriffen)

Auch kleine Kinder haben grossen Kummer

Spielen schafft Nähe - Nähe löst Konflikte

Bewußtes Elternsein in Austria
Bewußtes Elternsein in Deutschland
Bewußtes Elternsein in der Schweiz

Andere Artikel auf Deutsch:

Bewusstes Elternsein: die drei Elementen
Grundregeln des Bewußten Elternseins
Sind Kinder ihrer Natur nach schlecht?
Der Umgang mit Gewalt

line

This page was last updated on February 9, 2015. Copyright © 1996 to 2015 by Aletha Solter. All rights reserved. No part of this article may be reproduced or transmitted in any form or by any means, electronic or mechanical (including copying to other web sites, and including translations), without written permission from Aletha Solter.

Warning/Disclaimer: The information in this article is not intended to be used as a substitute for medical advice or treatment. When children display emotional, behavioral, or medical problems of any kind, parents are strongly advised to seek competent medical advice and treatment. Aletha Solter, The Aware Parenting Institute, and Kösel Verlag shall have neither liability nor responsibility to any person or entity with respect to any damage caused, or alleged to be caused, directly or indirectly by the information contained in this article.